Vom 20. bis 24. April 2026 fand in der Internationalen Naturschutzakademie Vilm auf der gleichnamigen Insel vor Rügen der Workshop „Transformation gestalten – Jugendworkshop zum Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES)“ statt. Organisiert wurde dieser vom Deutschen Bundesamt für Naturschutz und bewerben konnten sich junge Menschen aus deutschsprachigen Ländern. Drei österreichische Teilnehmer*innen berichten von ihren Erfahrungen.
von Sebastian Kraus, Marlene Erker und Philipp Hummer

Bild 1: Die glücklichen (österreichischen) Auserwählten vor dem Tagungshaus, in dem jeden Tag die Köpfe rauchen durften
Neben einer generellen Vorstellung von IPBES und deren Arbeitsweise ging es dabei vor allem um die aktuellen Berichte – um das Nexus Assessment und das Assessment zu transformativem Wandel, jedoch noch nicht um das Business and Biodiversity Assessment, das erst im Februar diesen Jahres angenommen und bestätigt wurde. Im Mittelpunkt standen daher Fragen, wie Biodiversität, Wasser, Ernährung, Gesundheit und Klima (die Nexus-Elemente!) zusammenhängen und wie gesellschaftlicher Wandel aktiv mitgestaltet werden kann.
Ein paar ausgewählte Take-Home-Messages des IPBES-Nexus-Assessments:
- Biodiversität, Klima, Wasser, Ernährung und Gesundheit hängen eng zusammen – Probleme in einem Bereich wirken sich oftmals auf weitere aus.
- Die Problemfelder werden zu sehr als einzelne Krisenherde betrachtet: Politik und Wirtschaft behandeln Themen getrennt, obwohl sie miteinander verknüpft sind.
- Haupttreiber sind unter anderem Landnutzungsänderungen, Umweltverschmutzung, Klimawandel und Übernutzung natürlicher Ressourcen.
- Reine Einzelmaßnahmen (z.B. Augenmerk allein auf Klimapolitik) führen oft zu Zielkonflikten und greifen nicht weit genug.
- Empfohlen werden unter anderem sektorübergreifende Lösungen, nachhaltigere Ernährungssysteme, Schutz und Wiederherstellung von Ökosystemen sowie gerechtere Wirtschafts- und Finanzsysteme.
- Besonders wichtig: Nachhaltige, längerfristig gedachte Lösungen bringen oft Vorteile für mehrere Nexus-Elemente gleichzeitig.

Bild 2: Sebastian wie er darüber nachdenkt, welche Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft die größten sind
Ein paar ausgewählte Take-Home-Messages des IPBES-Assessments zu transformativem Wandel:
- Die aktuellen Krisen können nicht mit kleinen Anpassungen gelöst werden – nötig sind tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen („transformative change“).
- Hauptursachen sind unter anderem Überkonsum, kurzfristiges Wirtschaftswachstum, Ungleichheit sowie Macht- und Interessenkonflikte.
- Transformation bedeutet nicht nur technologische Lösungen, sondern auch Veränderungen von Institutionen, Anreizen, Lebensstilen und gesellschaftlichen Normen.
- Indigene und lokale Wissenssysteme spielen eine zentrale Rolle für nachhaltige Lösungen und gerechtere Entscheidungen.
- Es gibt bereits viel Wissen und praktikable Lösungen – es gilt die fehlende politische und wirtschaftliche Umsetzung zu adressieren!
- Veränderungen sind möglich, wenn Regierungen, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln und bestehende Machtstrukturen hinterfragt werden.
Was passiert eigentlich, wenn Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten, Erfahrungen und Fachrichtungen für einige Tage gemeinsam auf einer kleinen Insel zusammenkommen, um über Biodiversität, Zukunft und Transformation nachzudenken?
Vielleicht genau das, was wir erleben durften:
- Herausforderungen
- Irritationen
- Bereichernde Gespräche
- Neue Perspektiven
- Verbundenheit
- Hoffnung
Dabei ging es nicht nur um wissenschaftliche Inhalte, sondern vor allem um eine Frage: Wie kann Veränderung tatsächlich gelingen?
Zwischen Vorträgen, Gruppenarbeiten, Methoden, Diskussionen und gemeinsamen Mahlzeiten wurde schnell deutlich, dass Transformation nichts Abstraktes ist. Sie beginnt dort, wo Menschen anfangen, zuzuhören, Widersprüche auszuhalten und sich gegenseitig ernst zu nehmen.

Bild 3: Marlene wie sie an einem der Fallbeispiele über indirekte Auswirkungen indirekter Auswirkungen grübelt
Die Tage auf Vilm waren intensiv. Wir lernten die Arbeitsweise von IPBES kennen, diskutierten über Biodiversität, Wasser, Ernährung, Gesundheit und Klima als miteinander verwobene Themen und arbeiteten mit dem Nature Futures Framework an diversen Szenarien.
Doch am wertvollsten waren vielleicht nicht die Methoden oder Präsentationen allein, sondern die Begegnungen dazwischen:
- Menschen, die ihre Unsicherheiten teilen
- Menschen, die trotz allem Hoffnung haben
- Menschen, die verstehen:
Wenn etwas wirklich anders werden soll,
muss etwas anders gemacht werden.
Besonders eindrücklich war dabei, wie vielfältig die Perspektiven innerhalb der Gruppe waren. Manche kamen aus Wissenschaft und Forschung, andere aus Aktivismus, Bildung, Landwirtschaft, Naturschutz oder Kunst. Und trotzdem entstand etwas Gemeinsames. Das Gefühl, dass Veränderung möglich ist, wenn wir beginnen, unsere Lebensrealitäten miteinander zu verbinden, statt gegeneinander auszuspielen. Vielfalt ist kein Hindernis, sondern die Grundlage von Resilienz und gemeinsamer Entwicklung.

Bild 4: Philipp wie er uns äußerst eloquent die “Junge ZooBot” näherbringt
Der Workshop zeigte außerdem, dass wissenschaftliche Assessments, die von Staaten verhandelt werden, wie jene von IPBES weit mehr sein können als abstrakte Dokumente. Sie können Orientierung geben, Zusammenhänge sichtbar machen und Menschen ermutigen, selbst aktiv zu werden – im eigenen Umfeld, in Initiativen, im Studium, im Beruf oder im Alltag.
Transformation bedeutet dabei nicht Perfektion. Sie bedeutet Aufmerksamkeit, Verantwortung und manchmal auch den Mut, irritiert zu werden.
Zwischen Wald, Wiese und Meer, Workshops und langen Gesprächen beim Sonnenuntergang entstand auf der Insel immer wieder Raum für Visionen:
- Visionen, um zu träumen
- Visionen, um sich aufzubäumen
- Visionen eines vielfältigen und nachhaltigen Zusammenlebens
Der Workshop machte Mut, sich einzubringen. Nicht erst irgendwann, sondern dort, wo wir stehen, um gemeinsam den ersten Schritt zu gehen.
Denn Transformation entsteht nicht allein in politischen Strategien oder wissenschaftlichen Assessments. Sie entsteht auch zwischen Menschen.
Beim Erleben, beim Zuhören, beim Lernen, beim gemeinsamen Träumen, für ein Morgen, dass wir heute wahr werden lassen können.
Floating State
Rising from the earth that knows nothing of our worlds,
we come to flow as one, each wholly our own.
From source to delta, the streams become the way –
gently meandering, clear and shallow, darkened and deep.
Though scattered, we remain a whole in motion, drifting onward, alive,
held in a quiet floating state within ourselves.
— Sebastian Kraus
Mehr Informationen zu unserem Projekt “Biodiversity Austria – International” finden Sie hier.


